aktualisiert: Mw 02.06.2021

Ein froher Sinn ist wie ein Frühling.                                                 Er öffnet die Blüte der menschlichen Natur.

Jean Paul

dt. Schriftsteller 1763 - 1825



Erich Kästner

Der Juni

Die Zeit geht mit der Zeit: Sie fliegt.

Kaum schrieb man sechs Gedichte,

ist schon ein halbes Jahr herum

Und fühlt sich als Geschichte.

 

Die Kirschen werden reif und rot,

die süßen wie die sauern.

Auf zartes Laub fällt Staub, fällt Staub,

so sehr wir es bedauern.

 

Aus Gras wird Heu. Aus Obst Kompott.

Aus Herrlichkeit wird Nahrung.

Aus manchem, was das Herz erfuhr,

wird bestenfalls, Erfahrung.

 

Es wird und war. Es war und wird.

Aus Kälbern werden Rinder

Und weil’s zur Jahreszeit gehört,

aus Küssen kleine Kinder.

 

 

 

Die Vögel füttern ihre Brut

Und singen nur noch selten.

So ist’s bestellt in unsrer Welt,

der besten aller Welten.

 

Spät tritt der Abend in den Park,

mit Sternchen auf der Weste.

Glühwürmchen ziehn mit Lampions

Zu einem Gartenfeste.

 

Dort wird getrunken und gelacht.

In vorgerückter Stunde

Tanzt dann der Abend mit der Nacht

Die kurze Ehrenrunde.

 

Am letzten Tische streiten sich

ein Heide und ein Frommer,

ob’s Wunder oder keine gibt.

Und nächstens wird es Sommer

 



Foto: Udo Schlesinger Drosselkinder
Foto: Udo Schlesinger Drosselkinder

 

 

 

Das ist die Drossel, die da schlägt,

Der Frühling, der mein Herz bewegt,

Ich fühle, die sich hold bezeigen,

Die Geister aus der Erde steigen.

Das Leben fließet wie ein Traum -

Mir ist wie Blume, Blatt und Baum

Theodor Storm


Frühling

Hoch oben von dem Eichenast
Eine bunte Meise läutet
Ein frohes Lied, ein helles Lied,
Ich weiß auch, was es bedeutet.

 

Es schmilzt der Schnee,

es kommt das Gras,
Die Blumen werden blühen;
Es wird die ganze weite Welt
In Frühlingsfarben glühen.

 

Die Meise läutet den Frühling ein,
Ich hab' es schon lange vernommen;
Er ist zu mir bei Eis und Schnee
Mit Singen und Klingen gekommen.

                                        Hermann Löns