aktualisiert: Mw 24.10.2021

Ich ziehe deshalb den Herbst dem Frühjahr vor,

weil das Auge im Herbst den Himmel,

im Frühjahr aber die Erde sucht.

Sören Kierkegaard 1813 - 1855


Erich Kästner

Der Oktober 

Fröstelnd geht die Zeit spazieren.

Was vorüber schien, beginnt.

Chrysanthemen blühn und frieren.

Fröstelnd geht die Zeit spazieren.

Und Du folgst ihr wie ein Kind.

Geh nur weiter. Bleib nicht stehen.

 

Kehr nicht um, als sei`s zuviel.

Bis ans Ende musst Du gehen.

Hadre nicht mit den Alleen.

Ist der Weg denn schuld am Ziel?

 

Geh nicht wie mit fremden Füßen,

und als hätt`st Du Dich verirrt.

Willst Du nicht die Rosen grüßen?

Lass den Herbst nicht dafür büßen,

dass es Winter werden wird.

An den Wegen, in den Wiesen

Leuchten, wie auf grünen Fliesen,

Bäume bunt und blumenschön.

Sind`s Buketts für sanfte Riesen?

Geh nur weiter. Bleib nicht stehn.

 

Blätter tanzen sterbensheiter

Ihre letzten Menuetts.

Folge folgsam dem Begleiter.

Bleib nicht stehen. Geh nur weiter.

Denn das Jahr ist Dein Gesetz.

Nebel zaubern in der Lichtung

Eine Welt des Ungefährs.

Raum wird Traum. Und Rauch wird Dichtung.

Folg der Zeit. Sie weiß die Richtung.

„Stirb und werde!“ nannte er`s…


Herbstbild 

 

 

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

 

 

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

 

 

Friedrich Hebbel

 



 

 

 

 

 

 

Ich sah des Sommers letzte Rose stehn,

Sie war, als ob sie bluten könne, rot;

 

Da sprach ich schauernd im Vorübergehen:

So weit im Leben ist zu nah am Tod!

 

Es regte sich kein Hauch am heißen Tag,

nur leise strich ein weißer Schmetterling;

 

doch ob auch kaum die Luft sein Flügelschlag bewegte,

sie empfand es und verging.

 

Hebbel