aktualisiert: Mw 31.07.2021

Narren hasten -  Kluge warten -  Weise gehen in den Garten.

 Rabindranath Tagore 

 indischer Dichter, Philosoph und Künstler,                                                                                                                      


 

Der August     Erich Kästner

 

Nun hebt das Jahr die Sense hoch

Und mäht die Sommertage wie ein Bauer.

Wer sät, muss mähen.

Und wer mäht, muss säen.

Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.

 

Stockrosen stehen hinterm Zaun

In ihrer alten, brüchigseidnen Trachten.

Die Sonnenblumen üppig, blond und braun,

mit Schleiern vorm Gesicht, schaun aus wie Frau’n,

die eine Reise in die Hauptstadt machten.

 

Wann reisen sie? Bei Tage kaum.

Stets leuchteten sie golden am Stakete.

Wann reisen sie? Vielleicht im Traum?

Nachts, als der Duft vom Lindenbaum

An ihnen abschiedssüß vorüberwehte?

 

 

 

 

In Büchern liest man groß und breit,

selbst das Unendliche sei nicht unendlich.

Man dreht und wendet Raum und Zeit.

Man ist gescheiter als gescheit, -

Das Unverständliche bleibt unverständlich.

 

Ein Erntewagen schwankt durchs Feld.

Im Garten riecht’s nach Minze und Kamille.

Man sieht die Hitze. Und man hört die Stille.

Wie klein ist heut die ganze Welt!

Wie groß und grenzenlos ist die Idylle…

 

Nichts bleibt mein Herz.

Bald sagt der Tag Gutenacht.

Sternschnuppen fallen dann, silbern und sacht,

ins Irgendwo, wie Tränen ohne Trauer.

Dann wünsche Deinen Wunsch, doch gib gut acht!

Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.

 



Zur selben Zeit,

da irgendeiner "Rache" schreit

da an der Börse der Dollar fällt

da die Welt von wilden Parolen widerhallt

da irgendwo wird geschossen,

hat sich in unserem Wald

der Fingerhut zum Blühen entschlossen.

 

Rudolf-Otto Wiemer

1905 - 1998